Designklassiker von Montblanc der 1960er / Beitrag aus 2013

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glucydur
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Designklassiker von Montblanc der 1960er / Beitrag aus 2013

Beitrag von glucydur »

Hallo zusammen,

weil die rechtlichen Fragen rund um die archivierten Daten des alten Penexchange-Forums nicht geklärt sind, wurden wir ja animiert, auch alte Beiträge, die vielleicht besonders erhaltenswert sind und aktuell bleiben, wieder einzustellen. Ich habe eine Auswahl meiner ehmaligen Beiträge aus Penexchange gesichert und stelle sie nach und nach ein. Wenn sie dann am Ende doppelt vorliegen, kann man sie ja auch wieder löschen. Für neue Forumsmitglieder, die sich bisher nicht durch die alten Beiträge durchgekämpft haben, hat die Wiederveröffentlichung ggf. einen Mehrwert. Anbei einer meiner ersten Beiträge aus dem Jahr 2013. Eine aktuelle Ergänzung: in der aktuellen Montblanc-Kollektion findet sich das Design entgegen dem damaligen Stand in Form der Linie „Pix“ wieder. Allerdings nicht mehr als Füllfederhalter, sondern nur noch als Rollerball.

„Hallo zusammen,

begeistert von der Breite und Vielfalt der Themen in diesem Forum und beeindruckt von der Fach- und Sachkenntnis der Forumsmitglieder, möchte ich als „Frischling“ (und als langjähriger Sammler mit mehrjähriger Unterbrechung) zu einem Austausch über das Thema: "Eigene Designklassiker im Spiegel ihrer Zeit" anregen.

Ich möchte dazu ermuntern, die Füllfederhalter aus der eigenen Sammlung zu zeigen, die ein charakteristisches Design ihrer Zeit aufweisen und zu Klassikern geworden sind. Gerne sollen auch aktuelle Füllfederhalter gezeigt werden, die einen besonderen Designcharakter haben und das Zeug zum Klassiker haben. Bitte jeweils um eine kurze Begründung, warum.

Für mich stellt das Design neben Nutzwert, Material und Technik, eines der zentralen Themen bei Alltagsprodukten und somit auch bei Füllfederhaltern dar.

Die Beurteilung, ob schlecht oder gut gemachtes Design vorliegt, ist meiner Meinung nach nicht nur von subjektivem Geschmacksempfinden abhängig, sondern es gibt objektivierbare Kriterien, wie z.B. Stringenz der Linienführung, Konsequenz in der Abstimmung der eingesetzten Materialien, Ausgewogenheit der Proportionen etc.

Ich beginne mit einem Trio, das mir am Herzen liegt: Montblanc Meisterstück No. 12, Montblanc No. 22 und No. 32 (von links nach rechts). Die Füllfederhalter stammen aus den 60er Jahren, einer Zeit, in der Montblanc mit den Kategorien 1 (höhere Preislage – ist übrig geblieben), 2 (mittlere Preislage) und 3 (untere Preislage) noch für jeden Geldbeutel etwas im Angebot hatte.
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Das Meisterstück No. 12 hat den prominentesten Schöpfer, den Designer Albrecht Graf Goertz, der u.a. für die Gestaltung des BMW-Sportcoupé 507 bekannt ist:
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Warum halte ich das Design dieser 3 Füllfederhalter für charakteristisch für ihre Zeit und für gut gemacht?

Sie setzen alle drei in unterschiedlicher Ausprägung die Ideen einer wichtigen Strömung des deutschen Designs der sechziger Jahre, welche in einer Fortführung der Bauhaus-Tradition (HfG Ulm) bestand, konsequent um und verzichten dabei nicht auf die klassische Kolbenmechanik. Ich finde vor allem folgende Merkmale ansprechend:

1.Das Gesamtdesign v.a. das des Montblanc Meisterstück No. 12 ist eine moderne und dem damaligen Zeitgeist entsprechende Neuinterpretation des klassischen Meisterstücks.

2.Die Linienführung ist klar und stringent, die Proportionen sind ausgewogen.

3.Die Form ist einfach, sachlich und auf Wesentliches reduziert. Natürlich nicht in der Konsequenz wie beim Lamy 2000, bei dem die Bauhaus-Werte kompromisslos umgesetzt wurden.

4.Der klassische Material-Mix aus goldenem Metall und schwarzem Kunststoff wirkt auch in der damals neuen Formgebung elegant, harmonisch und stimmig.

Zu Designklassikern, die bis heute in beinahe unveränderter Form produziert werden (wie z.B. der Pelikan Souverän), sind diese Füllfederhalter nicht geworden. Allerdings setzte sich die grundsätzliche Formgebung, vor allem die des Montblanc 22, über die 60er hinaus mit den Füllfederhaltern der Serie Classic (1979-1989), Classic II (1989-1996) und Generation, der von 1996 bis in die 2000er Jahre im Montblanc-Sortiment war, über mehr als 4 Jahrzehnte fort.

Der Hauptgrund, warum das Design sich nicht mehr in der aktuellen Kollektion findet, ist meines Erachtens nicht die mangelnde Qualität der Formensprache, sondern liegt in der Produktpolitik der Firma Montblanc begründet, die die mittlere Preislage, in der dieses Design weiterlebte (MB Generation), aufgegeben hat.

Mein persönlicher Favorit ist der Montblanc 22. Seine Ableger „Classic“ und „Generation“ finden sich auch in meiner Sammlung.

Gruß

Alexander“
Gutta cavat lapidem.
Gesa76
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Re: Designklassiker von Montblanc der 1960er / Beitrag aus 2013

Beitrag von Gesa76 »

Uh, sehr schön. Danke für die Informationen. Ich habe zwar selbst keinen, habe aber schon öfters mit ihnen geschrieben. 😊
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glucydur
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Re: Designklassiker von Montblanc der 1960er / Beitrag aus 2013

Beitrag von glucydur »

Sehr gerne. Die Feder des Meisterstücks No. 12 ist wirklich sehr smooth. Mein Favorit ist aber tatsächlich der No. 22. Der ist in der Gesamtbetrachtung (Design, Haptik, Schreibeigenschaften) für mich der Sieger, obwohl in der damaligen Montblanc-Hierarchie nur Platz 2. Mir gefällt auch das blaue Sichtfenster von allen Dreien am besten. Beim No. 12 wirkt die sogenannte „Bischofsmütze“, wie man die Kappe auch nennt, auf mich ein wenig „exaltiert“. :)

Beste Grüße

Alexander
Gutta cavat lapidem.
Markus1931
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Re: Designklassiker von Montblanc der 1960er / Beitrag aus 2013

Beitrag von Markus1931 »

Vielen Dank Alexander für den sehr informativen Bericht.

Ich kann Dir nur zustimmen, die Reihe aus 32/34, 22/24, 12/14 ist wirklich toll und steht - das habe ich ja schon an andere Stelle erwähnt - meiner Meinung nach zu Unrecht im Schatten der großen Meisterstücke.
Bei dem Design bin ich persönlich etwas hin- und hergerissen.
Es war in den 1960er Jahren sicher avantgardistisch, beim 12er und 14er, wie Du schon sagtest, extravagant. Schlussendlich hat sich das Design nicht durchgesetzt und man ist wieder auf klassischere Formen zurückgegangen.
Mir gefielen die klassischen Formen anfangs auch besser, aber mittlerweile hat sich das etwas geändert.
Überzeugt hat mich die Reihe auf jeden Fall durch das wunderbare Schreibverhalten.
Von einem 149 oder 146 erwartet man selbstverständlich ein seidenweiches Gleiten der Feder über das Papier, bei einem 32er ist das nicht unbedingt so. Wenn es dann doch so ist, hat man ein gewisses Aha-Erlebnis.
So ging es mir zumindest.😄

Ergänzend zu Deinen Darstellungen möchte ich die Reihe nach unten etwas auffächern und nach oben erweitern.

Den 32er gab es insgesamt in 4 Varianten:
1. No. 32, so wie Du ihn gezeigt hast.
2. O32, mit einer Flügelfeder, wie beim 22, mit gleichem Griffstück.
3. 32 ST, mit Stenofeder und einem Griffstück, das dem des 420 ähnelt.
4. 32 D, mit freiliegender, Durchschreibfeder.

Darunter könnte man noch den No. 31 nennen, der identisch zum 32 ist, nur mit einer Stahlfeder.

Nach oben kann man meiner Meinung nach, noch den 142er aus den Jahren 59 bis 61 einordnen, der ebenfalls die gleiche Formensprache aufweist, aber eine Mischung aus 32D, 12 und klassischem Meisterstück ist.
Man war sich wohl bei Montblanc nicht ganz sicher, wohin die Reise mit den Meisterstücken gehen sollte. Zumindest mit den kleinen.


Da ich mich noch nicht so lange mit Füllfederhaltern beschäftige, habe ich versucht meine Einschätzungen so gut wie möglich wiederzugeben. Sollte ich damit falsch liegen, korrigiert mich gerne.
Herzliche Grüße
Markus
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Tintenklecks
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Re: Designklassiker von Montblanc der 1960er / Beitrag aus 2013

Beitrag von Tintenklecks »

Ich mag ja per se Füller, bei denen die Feder integrales Gestaltungselement des gesamten Designs ist, und nicht nur irgendwie ein hingetackertes Funktionsbauteil, und ich denke, man muß diese Füller und ihr Design auch im Kontext ihrer Zeit sehen. Sollte ich doch mal dahin kommen, ernsthaft einen Montblanc für mich zu suchen, würde ich tatsächlich eher auf so etwas schielen denn ein Meisterstück.

Vielen Dank für die Vorstellung dieser Preziosen!
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glucydur
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Re: Designklassiker von Montblanc der 1960er / Beitrag aus 2013

Beitrag von glucydur »

Herzlichen Dank für Deine Ausführungen, die den Beitrag kompetent ergänzen. Insbesondere die Ausdifferenzierung beim 32er ist sehr informativ. Auch die Nennung der großen Ausführungen 14, 24, 34 ist eine wichtige Ergänzung.

Mir fällt als Designträger in Ergänzung noch der No. 030 mit Stahlfeder ein. Den gab es meines Wissens als Kolbenfüller (ich habe einen in grau) und als Patronenfüller.

Ich denke, die „Zigarre“ konnte sich als ikonisches Design für die Meisterstücke deshalb etablieren, weil ihre Hochzeit in die Wirtschaftswunderjahre fiel und man genau diese Wohlstandsphase mit Produkten wie dem Meisterstück assoziierte. Das Design der 1960er-1970er war für viele traditionsbewussten Kunden zu modern, zu avantgardistisch.

Für mich ist das schönste Design für die Meisterstücke das der 1930er-Anfang 1950er. Die 13x-Serie ist einfach nur perfekt. Leider wurde das sehr stimmige Design nur einmal noch aufgegriffen 1992 mit der Writers Edition Hemingway, der von der Gestaltung weitgehend dem grandiosen 139L entspricht.
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glucydur
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Re: Designklassiker von Montblanc der 1960er / Beitrag aus 2013

Beitrag von glucydur »

Tintenklecks hat geschrieben: 03.11.2026, 22:23 Ich mag ja per se Füller, bei denen die Feder integrales Gestaltungselement des gesamten Designs ist, und nicht nur irgendwie ein hingetackertes Funktionsbauteil, und ich denke, man muß diese Füller und ihr Design auch im Kontext ihrer Zeit sehen. Sollte ich doch mal dahin kommen, ernsthaft einen Montblanc für mich zu suchen, würde ich tatsächlich eher auf so etwas schielen denn ein Meisterstück.

Vielen Dank für die Vorstellung dieser Preziosen!
Sehr gerne. Tatsächlich scheiden sich an diesen Modellen die Geister. Für die einen sind sie gar nichts, für die anderen ein Zeichen des Aufbruchs in die Moderne, der in den 1960er-1970er mit einem bewussten Bruch mit den Designtraditionen einer klaren Fortschrittsgläubigkeit verbunden war.
Gutta cavat lapidem.
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Tintenklecks
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Re: Designklassiker von Montblanc der 1960er / Beitrag aus 2013

Beitrag von Tintenklecks »

glucydur hat geschrieben: 03.11.2026, 22:31
Tintenklecks hat geschrieben: 03.11.2026, 22:23 Ich mag ja per se Füller, bei denen die Feder integrales Gestaltungselement des gesamten Designs ist, und nicht nur irgendwie ein hingetackertes Funktionsbauteil, und ich denke, man muß diese Füller und ihr Design auch im Kontext ihrer Zeit sehen. Sollte ich doch mal dahin kommen, ernsthaft einen Montblanc für mich zu suchen, würde ich tatsächlich eher auf so etwas schielen denn ein Meisterstück.

Vielen Dank für die Vorstellung dieser Preziosen!
Sehr gerne. Tatsächlich scheiden sich an diesen Modellen die Geister. Für die einen sind sie gar nichts, für die anderen ein Zeichen des Aufbruchs in die Moderne, der in den 1960er-1970er mit einem bewussten Bruch mit den Designtraditionen einer klaren Fortschrittsgläubigkeit verbunden war.
Das sehe ich auch so, der Glaube, die Erwartung an eine noch bessere Zukunft als gesellschaftliches Leitbild. Wie auch immer man sich die vorgestellt hat.
Heute wirkt für mich vieles wie ein verklärter Rückblick auf eine Vergangenheit, die vermeintlich besser war.
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glucydur
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Re: Designklassiker von Montblanc der 1960er / Beitrag aus 2013

Beitrag von glucydur »

Die pauschale Verklärung der Vergangenheit ohne eine optimistische Zukunftsperspektive ist tatsächlich eine ungute aktuelle Entwicklung…
Gutta cavat lapidem.
Markus1931
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Re: Designklassiker von Montblanc der 1960er / Beitrag aus 2013

Beitrag von Markus1931 »

Hier noch ein Foto.
In Ermangelung eines 22 habe ich den größeren 24 eingefügt.
Zu erwähnen ist noch, daß der 12 und 14 eine 18 Karat Feder besitzen.
Dateianhänge
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Herzliche Grüße
Markus
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glucydur
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Re: Designklassiker von Montblanc der 1960er / Beitrag aus 2013

Beitrag von glucydur »

Wunderbare Kollektion. Gratulation!
Gutta cavat lapidem.
Markus1931
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Re: Designklassiker von Montblanc der 1960er / Beitrag aus 2013

Beitrag von Markus1931 »

Vielen Dank.
Ich bin auch sehr glücklich über diese kleine Sammlung.
Besonders weil der 142er so selten anzutreffen ist.
Herzliche Grüße
Markus
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